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2008 - Blick nach vorne

Bericht von Willie

 

Zum letzten Mal wohl, am Wochenende vor Himmelfahrt, packe ich das Zelt auf das Motorrad, denn für das Treffen der Masonic Biker beginnt im kommenden Jahr mit der 7. Zusammenkunft eine neue Ära: Ein Hotel ist gebucht, mit 50 Betten. Ob das reichen wird? Schließlich haben sich schon für dieses Jahr 47 Brüder angemeldet, die im Moment genau wie ich Ihr Motorrad satteln, die Gepäckrollen festschnallen und sich auf den Weg nach Georgenthal machen.

Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, schließe ich das Verdeck des Beiwagens - es kann gleich losgehen und ich verabschiede mich von der besten Ehefrau der Welt. Auch mein Hund, der mich von Zeit zur Zeit auf meinen Ausfahrten begleitet, muss daheim bleiben: Schließlich fahre ich zu einem ganz besonderen Motorradtreffen, an dem ausschließlich Brr. Freimaurer teilnehmen. Ein Wochenende der Begegnung mit Brüdern aus der ganzen Republik steht vor mir.

In diesem Jahr habe ich als Anreisender aus dem Westen der Republik das erste Mal Verstärkung erhalten. In der Nähe von Koblenz haben wir einen Treffpunkt vereinbart und finden uns auf Anhieb. Vor mir steht ein Bruder Freimaurer aus Trier, den ich zuvor noch nie gesehen habe. Aber weil er ein Bruder ist, kann ich alles Schutzmechanismen, die mich sonst durch den Alltag begleiten, fallen lassen. Offen und herzlich, auf der Winkelwaage begegnen wir uns und in Augenblicken ist klar, die Wellenlänge stimmt - was auch sonst!

Ich habe eine Route ausgearbeitet, die uns Richtung Gießen, dann durch den Vogelsbergkreis, über die Wasserkuppe und schließlich nach Georgenthal in den Thüringer Wald führt. Auch wenn wir das Ziel vor Auge haben, schon mit den ersten Metern beginnt ein fantastisches Wochenende, bei dem erst die Hin- und später auch die Rückreise zum Erlebnis gehören.

Als wir schließlich am Nachmittag auf dem Campingplatz eintreffen, sind wir nicht die ersten. Wir parken unsere Maschinen neben anderen und erkennen an Winkelmaß und Zirkel oder am Emblem der Masonic Biker, das so manchen Rücken ziert, dass wir unter Brüdern sind.

"Ich bin der Neue" stellt sich der Bruder aus Trier vor, aber er muss schnell feststellen, dass er da nicht der einzige ist. Auch in diesem Jahr haben etliche Brüder zum ersten Mal nach Georgenthal gefunden - langsam aber sicher spricht sich rum, wie besonders unsere Zusammenkunft ist.

Nach und nach füllt sich der Platz unter Blubbern, Grollen, Donnern und Knattern. Helme werden abgezogen - es ist die Zeit für Wiedersehen und Kennenlernen.

Während einige wenige Brüder, die das profane Berufsleben nicht eher auf die Straße entlassen hat, noch unterwegs sind, versammeln wir uns das erste Mal, besprechen Regularien. Dietmar Jürgen, der das Treffen initiiert hat und seither jedes Jahr organisiert, stellt das Programm des nächsten Tages vor. Und anschließend ist es so weit: Zum ersten Mal an diesem Wochenende stehen wir Brüder in der Kette. In derber Motorradbekleidung, noch unter dem Staub der Straße reichen wir einander die Hände und aus den vielen Kehlen ertönt das Bundeslied. Ein Blick in die Gesichter der Anwesenden und ich weiß: Hier bin ich richtig!

Nach dieser seelischen Stärkung wird es Zeit, auch wieder etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Die Mannschaft auf dem Zeltplatz hat, wie in den letzten Jahren, vorgesorgt, den Grill angeheizt, das Buffet eingedeckt und ruft nun zum Essen fassen.

In geselliger Runde verbringen wir den Abend. Wiedersehen werden gefeiert und neue Brr. herzlich in die Reihen aufgenommen. Themen gibt es viele: Einige Brr. sind mit neuen Bikes angereist, da gilt es Vergleiche anzustellen: Paralleltwinn, Boxer, V oder Reihe ... und zugleich diskutieren die Brr. mir gegenüber Ritualunterschiede zwischen FO und AFAM.

Auch das Ziel der Ausfahrt am nächsten Tag wird besprochen, die wieder gewachsene Runde bestaunt und einfach die angenehme Atmosphäre fern des Alltags genossen. Ich werde nicht alt an diesem Abend. Die Anreise war anstrengend und es werde Kräfte für den nächsten Tag gebraucht, dem allen entgegenfiebern.

Früh schon kriechen die ersten Brüder aus ihren Kojen. Die Duschmarke in den Automaten im Waschraum geworfen und das heiße Wasser fließt: Ein belebende Wohltat. Und dann gibt es Kaffee, Brötchen und alles was das Herz zu dieser Stunde begehrt.

2008 - Brüderliche HilfeMotorengrollen, die ersten Maschinen rollen an und die Kolonnen werden aufgestellt. Der Bikermeister vom Sattel im Osten, die Biker Aufseher im Westen. Mit Kaulis Bikerritual wird die Ausfahrt, die zugleich Zeichnung ist, eröffnet. Ein Schauspiel, das Beobachter erstaunen und nicht motorradfahrende Brüder irritieren mag. Aber mir geht es wieder unter die Haut, denn ich, wie auch die Brüder, erkenne darin das wahre Ritual wieder. So bekommt die Ausfahrt einen besonderen, würdigen Rahmen.

Dann geht es los. Eine Kolonne von über 40 Motorrädern setzt sich in Bewegung. Durch die malerische Landschaft des Thüringer Waldes schlängelt sich die Kette, die nicht abreißen soll. Miteinander fahren bedeutet auch Verantwortung für den anderen zu übernehmen. Disziplin und Aufmerksamkeit ist gefragt. Den freundlichen Passenten winken wir zu, verständnisvolle Autofahrer warten geduldig, bis wir passiert haben. Und dabei habe ich immer das Bremslicht des Vordermanns im Blick, schaue im Spiegel ob ein Bruder Schaffner die Kolonne passieren will und Platz braucht.

Ziel unserer Ausfahrt ist diesmal das Hotel, in dem das nächste Treffen stattfinden soll. Ein leckerer Eintopf steht bereit und nach dem Essen besichtigen einige Brüder das Haus. Großzügige Zimmer und freundliche Mitarbeiter überzeugen mich, dass diese die richtige Wahl war, unser Treffen in 2009 fortzusetzten.

Nach der Rückfahrt, auf der es gelingt, auch die Ampelbewehrte Ortsdurchfahrt in Ilmenau, gemeinsam zu meistern, ohne das die Kette reißt, treffen wir wieder auf dem Campingplatz ein. In Kolonnen stellen wir uns auf: "Es ist die rechte Zeit, die Tour zu beenden." Mit diesen und weiteren Worten schließt das Biker-Ritual die Ausfahrt und verlangt abschließend von den Brüdern noch einmal Disziplin und Ordnung, bevor sie ihre Maschinen parken und eine kleine Verschnaffpause haben.

Bei der TA bin ich diesmal Sekretär und habe daher nur einige wenige Minuten, die ich nutze, mich bei meinen Lieben daheim zu melden. Dann schon treffen sich die Beamten, um den Tempel einzurichten.

 

2008 - Blick in den TempelAus leeren Wasserkisten werden die Säulen errichtet. Das Mobiliar der kleinen Kneipe, Biertischgarnituren und viel gewöhnliches vom Platz wird verwendet um den Raum einzurichten, den wir für unsere Arbeit brauchen. Und gerade der Verzicht auf Schmuck, die Reduzierung auf das Wesentliche machen den Tempel, der von Brüder Hand in wenigen Minuten geschaffen wird, so beeindruckend.

Die Arbeit findet nach dem AFAM-Ritual statt, der Teppich wird mit Kreide gezeichnet. Musik gibt es live: Ein kleines Keyboard wurde aufgestellt und ein Bruder Musiker schafft mit seiner Kunst den würdigen Rahmen für die Arbeit. Die Zeichnung legt ein Bruder aus der Schweiz auf und ihm gelingt es in deutlichen Worten Gemeinsamkeiten zwischen dem Motorradfahren und der Freimaurerei aufzuzeigen. Und er stellt deutlich dar, wie Freimaurerische Tugenden wie Geduld, vor allem aber die Verantwortung, die wir für den andern Verkehrsteilnehmern mit übernehmen müssen, unser eigenes Leben schützen kann.

Dann noch eine kleine Überraschung: Die Schweizer Brüder wollen ein ähnliches Treffen noch in diesem Sommer organisieren und wir sind alle herzlich eingeladen.

Vor dem Schluss der Arbeit ist es wieder so weit: Wir reichen einander die Hand, stehen in der Kette, singen das Bundeslied und ich spüre die große Kraft dieser Gemeinschaft. Ich bin gerührt, habe ein Gänsehaut, schaue sie mir an, meine Brüder und Freunde ... festhalten möchte ich diesen Moment ... klar, das geht nicht, aber ich weiß auch: "Die Kette der Herzen bleibt!"

Die Lichter sind erloschen, der Teppich ist gedeckt, die Loge geschlossen und nun wird das Pächterehepaar in den Raum gebeten. Wir wollen uns bei ihnen bedanken, für Ihre Gastlichkeit in den 5 Jahren und wir bedauern alle sehr, dass es hier im lieb gewonnenen Rahmen nicht weitergehen kann. Dieser Abschied fällt schwer und nicht wenige haben "einen Kloß im Hals".

Nun wird umgeräumt und der Tempel verwandelt sich zurück. Düfte vom Grill erinnern mich, dass der Eintopf nun schon länger her ist. Das eine oder andere Bier werde ich sicher noch trinken an diesem Abend und dennoch weiß ich, es wird wieder nicht besonders spät für mich. Zu intensiv ist das Erlebte in mir und verlangt nach dem langen Tag nach einem ruhigen, nachdenklichem Ausklang.

Die Nacht ist wärmer als die zuvor. Als ich schließlich aus meinen Zelt krieche ist die Freude auf das Frühstück da. Doch zugleich schleicht sich ein bisschen Wehmut ein, dass das Treffen schon wieder vorbei sein soll. Beim Frühstück gibt es neben der heißen Tasse Kaffee in Gesprächen einen kleinen Rückblick auf das Erlebte. Dann ist es so weit: Die Zelte werden abgebaut, die Tankrucksäcke werden bepackt. Die Zeit des Aufbruchs naht.

Doch es gibt auch Trost, der den Abschied etwas leichter macht. Zum einen gutes Wetter für die Heimfahrt. Dann die Aussicht, einige Brüder noch in diesem Jahr in der Schweiz wieder zu sehen und vor allem aber die Gewissheit, dass es im nächsten Jahr an neuem Ort weiter geht!

 

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